Die kürzliche Anfrage in Bezug auf eine gemeinsame Wandersession von Martin, einem alten Kumpel aus Schulzeiten, kam vor einigen Wochen beim Besuch eines Hannover-96-Auswärtsspieles gerade Recht. Schon seit längerem hatte ich mal wieder Lust, mit vollem Gepäck eine Weile in die Wildnis zu verschwinden. Die Bücher von M. Andrack haben einiges dazu beigesteuert, doch infiziert bin ich eigentlich seit der Kindheit als Pfadfinder. Beim Wandern, und auch beim Spazierengehen, kann ich einfach am besten entspannen und Kräfte tanken. Doch alles, was über Spazierengehen hinaus geht, ist allein ein wenig zuviel der Ruhe und eher einsam und öde. Und für eine Langzeit-Wanderung (Langzeit sei hier einfach mal > 1 Tag) gibt es in meinem Freundeskreis leider nur sehr wenig Interessenten, gelinde gesagt. Daher war die letzte Wanderung denn auch ein gutes Jahrzehnt her und ich dementsprechend ein wenig auf Entzug. ;-)
Wir verständigten uns auf eine Woche, die sich später auf Grund von terminlichen Gegebenheiten von uns beiden Berufstätigen trotz Urlaubsphase auf vier Tage reduzierte. Da eine sehr lange Anfahrt für vier Tage nicht wirklich lohnt, einigten wir uns als Wandergegend auf den Harz, der sich mehr oder weniger zwischen unseren Domizilen befindet. Genauer: Der Harzer Hexen-Stieg sollte es sein. Dieser zieht sich von Osterode (NDS) im Südwesten bis nach Thale (SA) im Osten des Harzes und erzählt unter anderem auch eine Menge über den Bergbau in dieser Gegend.
Vor der Wanderung die Vorbereitung: Da wir in der Natur campen wollten, musste ein vernünftiger Rucksack her. Mein Lowe Alpamayo mit 80 Litern hat leider bei der letzten Wanderung einen Schaden im Tragesystem davongetragen. Daher schaute ich mich bei eBay um und entdeckte ein älteres, aber unbenutztes Modell, den Lowe Cerro Torre 1 mit 50+15 Litern, für wenig Geld in Form eines Schnäppchens. Zelt, Schlafsack, Isomatte und Benzinkocher waren vorhanden. Ein Regenponcho uind einen extra Regenschutz für den Rucksack besorgte ich mir auch noch. Last but not least brauchte ich auch noch Wanderstiefel. Ärgerlicherweise kümmerte ich mich hierum viel zu spät, doch darüber am Ende mehr.
Am ersten Tag trafen wir uns am Einsprungpunkt in den Hexenstieg, in Osterode. Ich ließ mein Auto auf einem kostenlosen öffentlichen Parkplatz stehen, Martin erschien mit den Öffis, und nach kurzer Umpackarie ging es schließlich los. Martin trat mit einem kleineren Deuter-Rucksack mit 35 Litern an, der aber für unsere Zwecke durchaus ausreichend war. Er musste aber auf eine Isomatte verzichten und seinen Schlafsack außen an den Rucksack klemmen, wo er allerdings auch nicht weiter störte.
Eingekauft hatte ich vorher schon, da ich noch ein paar Minuten Zeit hatte. Mit Brot, Aufschnitt, etwas Obst sowie Nudeln plus Tomatensauce sollte es angenehm über den ersten Tag gehen. Der Weg ging die ersten Kilometer ordentlich bergan. Die Steigung stabilisierte sich dann aber. Über die gesamte Wanderzeit beobachteten wir, daß der Weg zwar an allen Städten vorbei führte (wie u.a. Altenau und St. Andreasberg), aber nicht durch sie hindurch ging. An Tag 2 mussten wir einkaufen, was zur Folge hatte, daß wir 100-200 Höhenmeter nach Altenau hinunter gehen und hinterher wieder hinauf gehen mussten. Besser aber natürlich, als ein wiederkehrendes Auf und Ab; nur fassten wir den Entschluss, bei einer ähnlichen Wanderung eher gleich für drei Tage einzukaufen. So spart man sich die vielen, kräftezehrenden Abstiege in die Stadt.
Der Hexenstieg selbst ist wunderbar angelegt und perfekt ausgeschildert. Nur ganz selten verursachte die Ausschilderung Irritationen und Unsicherheit. Zweimal sind wir zur Sicherheit noch einmal umgekehrt, um uns zu vergewissern, daß wir auf dem richtigen Weg waren - beide Male aber unbegründet. Eine für Wanderungen eher ungeeignete Übersichtskarte des Harz im Maßstab 1:100.000 lieferte darüber hinaus wenigstens grundlegende Orientierung. Die Spannweite der Wege des Hexenstiegs geht von ziemlich festen, steinigen Forstwegen bis hin zu engen Pfaden am Berghang neben Kanal und steilem Abhang. Apropos Kanal: Fast durchweg begleitete uns zu unserer rechten ein alter Bergbaukanal, der fröhlich vor sich hin plätscherte und zum seelischen Wohlbefinden der Wanderer beitrug. Zur Wasserentnahme zwecks Trinkwasser taugten diese zwar nicht, da das Wasser ziemlich rot-braun eingefärbt war und wir hier doch ordentliche Bedenken hatten. Quellen gab es allerdings genug, so daß wir hier - bis auf ein Moorgebiet, wo Quellen gar nicht vorhanden und wir daher mit 3-4 Litern 10 Kilometer durchwanderten, auf keine Engpässe stießen. Zur Sicherheit reinigten wir das Wasser allerdings immer mit Micropur.
Leider mussten wir die Tour dann doch einen Tag früher als geplant abbrechen, weil meine Füße nicht mehr mitmachten. Dies war in diesem Fall meine eigene Schuld auf Grund von übler Organisation, da ich meine neuen Wanderstiefel mangels Zeit wegen zu spätem Kauf nicht einlaufen konnte. Das äußerte sich überraschenderweise nicht in Blasen (ich vermute, die Wandersocken und die Passform der Schuhe waren hier einfach top), sondern darin, daß oberhalb der Hacken die Achillessehne mit jedem Schritt weher tat. Das erste Mal merkte ich dies am dritten Tag morgens. Mittags gab es dann das Abbruchsignal von meiner Seite, und wir fuhren von St. Andreasberg wieder per Bus und Zug zurück nach Osterode. Die Kilometerleistung lag abschließend bei ca. 17 plus 17 plus 12; wir waren damit als total unerfahrene und untrainierte Wanderer, zumal mit vollem Gepäck, sehr zufrieden. Die drei Wandertage waren - bis auf eine größere Attacke durch Mücken (DO NOT camp in Moorgebiet!) - zusammengefasst äußerst lustig und sehr entspannend. Da wir jeden Augenblick der drei Tage mangels Ablenkung sehr bewußt erlebten, fühlte sich der Ausflug hinterher doppelt so lang an als er eigentlich gewesen war.
Fazit: Wir verständigten uns abschließend, eine solche Wandersession auf jeden Fall mal wieder zu unternehmen. Vielleicht demnächst auch schon in Form eines Wochenendes, um den sehr schönen Hexenstieg zu Ende zu wandern. :-)