Eine zweiwöchige Wohnmobiltour durch Süd- und Mittelnorwegen von Markus Pöstinger, August 2002
Einführung
Diese Fahrt war ursprünglich als Gemeinschaftsfahrt mit bis zu sechs Mitfahrern geplant. Zum Schluß waren es nur noch zwei, die sie bestritten: Enno Lübbers und ich (Markus Pöstinger).
Mit einem Wohnmobil fuhren wir genau 2 Wochen durch Süd- und Mittelnorwegen. Da wir bis auf zwei Ausnahmen täglich den Campingplatz wechselten, sahen wir viel vom Land. Wir starteten südöstlich von Oslo, fuhren hoch bis 100 Kilometer vor Trondheim und wechselten dann westlich ins Hochgebirge (Jotunheimen). Von dort ging es weiter vom Lustrafjord nach Westen nach Bergen und schließlich über Sognefjord und Hardangerfjord über die Hardangervidda wieder zurück nach Süden. Kristiansand beendete die Reise.
Hier findet man nun den Reisebericht mit Kartendarstellung der Reiseroute halbwegs vernünftig ausformuliert. Zu 90% sind die befahrenen Landstraßen genannt, so daß man die Tour oder Teile der Tour auch „nachfahren" könnte. Komplettieren tun den Reisebericht eigene Eindrücke von Norwegen, sowie Landschaftsbeschreibungen. Einige Tage bestanden nur aus Reise, darum könnten diese für einige eher langweilig zu lesen sein, im folgenden darum eine Empfehlung nach dem Ampelsystem für den Lesenswert der einzelnen Texte (🟢 lesenswert, 🟡 mittel, 🔴 eher Reisetag):
| Tag | Titel | Lesenswert |
|---|---|---|
| Tag 1 | Der Beginn | 🟡 |
| Tag 2 | Travelling | 🔴 |
| Tag 3 | Kilometerfresserei | 🟡 |
| Tag 4 | Sightseeing und Zerstörung | 🟢 |
| Tag 5 | Ruhetag | 🔴 |
| Tag 6 | Ab ins Gebirge | 🟢 |
| Tag 7 | Zu den Gletschern | 🟢 |
| Tag 8 | Am Lustrafjord | 🟢 |
| Tag 9 | Born to Camp Wild | 🟡 |
| Tag 10 | Bergen | 🟢 |
| Tag 11 | Ruhetag 2 | 🔴 |
| Tag 12 | Wasserfälle | 🟢 |
| Tag 13 | Travelling back | 🟡 |
| Tag 14 | Back in Germany | 🟡 |
Reiseroute
Rote Linien = Route · Grüne Punkte = Nachtlager

Tag I — Freitag, der 26.07.2002: Der Beginn

Zur seit zwei Jahren nicht mehr gewohnten und sehr unangenehmen Uhrzeit von 04:15 Uhr klingelte mein Wecker. Doch die geringe Schlafzeit von drei Stunden verblasste angesichts der Vorfreude auf die Fahrt in ein bisher (zumindest für mich) unbekanntes Land. Pünktlich auf die Minute erschien Enno — mit fast vollgepacktem Auto, dank Essenseinkäufe — und sammelte mich auf. Man unterhielt sich über die geplante Reiseroute, das Studium und unsere nebenberuflichen (nennt man das jetzt nicht eigentlich „nebenstudentischen"?) Arbeiten, die wir in der freien Zeit unterwegs erledigen wollten. Die Fahrt verlief ansonsten ereignislos; ab Dänemark wurde die Fahrt sehr langweilig wegen des Tempolimits von 100 km/h und der eintönigen Landschaft, die einer ebenen Steppe gleicht.
Die sehr ungenaue Wegbeschreibung eines Internet-Dienstleistungsanbieters brachte uns jedoch in Dänemark etwas Amüsement: Es hieß dort „folgen sie dann der E20-E45 bis Frederikshavn". Wenn sich aber die E20 plötzlich unvermittelt in die E20 und die E45 aufteilt, kann so eine Beschreibung zu Verwirrungen führen.
Trotzdem kamen wir deutlich früher als erwartet in Frederikshavn an, wo Ennos Bruder mit seiner Freundin um ca. 13:00 Uhr ankommen wollten. Die Wartehalle war leer, die einstündige Warterei auch wieder langwierig. Nach der Ankunft der beiden Rückkehrer tauschten wir dann Schlüssel und Positionen der Wagen aus und bekamen noch Tipps für den Urlaub in Norwegen. Dann machten wir uns ans Einchecken.
Mehr hätten wir jedenfalls nicht transportieren können, denn unser eigenes Gepäck sowie die eingekauften Lebensmittel für drei Tage bereiteten Schwierigkeiten und Schwielen an Händen und Schmerzen in den Schultern. Trotzdem kamen wir wohlbehalten an Bord der „Stena Danica" — einer kleinen Fähre mit zwei Gesellschaftsdecks — und ergatterten einen freien Tisch. Innerhalb drei Stunden sollte uns die Fähre nach Göteborg bringen; die Zeit vertrieb unsereins sich mit Lesen und etwas Umschauen. Auffällig war, daß sich sämtliche Skandinavier mit Bier und anderen Alkoholika eindeckten. Bier schleppten sie gleich kistenweise mit kleinen Handwagen davon; ein Indiz, daß Alkoholika in Skandinavischen Ländern unvergleichlich teurer als in den restlichen sind. Uns kümmerte das weniger, denn wir wollten in Norwegen eigentlich relaxen und erforschen und nicht besaufen und abhängen.
In Göteborg, wo wir um 17:45 Uhr ankamen, fanden wir schnell das Wohnmobil — der Austausch klappte also reibungslos. Wir verstauten unsere sieben Sachen und suchten uns einen Campingplatz etwas außerhalb der Stadt am Ufer. Dort angekommen breiteten wir erstmal unsere Sachen im Mobil aus und kochten uns Tee und Pfannkuchen. Zu viel mehr waren wir heute auch nicht mehr fähig, denn die 14-stündige Reise kostete viel Kraft. Ein paar Uferaufnahmen und Spielereien mit Ennos Digitalkamera beschlossen den Tag. Zufrieden begaben wir uns in die Horizontale und freuten uns auf den ersten richtigen Tag in Schweden, das wir erst in zwei Tagen frühestens verlassen konnten.
Tag II — Samstag, der 28.07.02: Travelling
Um 08:30 Uhr wurden wir geweckt von einem lauten Signal, welches von einem nahe vorbei fahrenden Zug kam. In der Nacht hatte uns dies aber scheinbar nicht gestört, so erledigt lagen wir in unseren Betten.
Nach dem Frühstück räumten wir fix zusammen, denn heute wollten wir einige Kilometer näher an Trondheim heran kommen. Von dort aus planten wir einen Abstecher ins Nordnorwegische Hinterland; allerdings waren wir unsicher, ob dies eine sinnvolle Nutzung von Zeit und Geld sein würde, denn dann würden wir bis dort von der Mittelnorwegischen Landschaft kaum etwas mitbekommen.
Eine schöne Küstenstraße sollte es sein, also begaben wir uns auf die |181|, auf der wir bis Hogast fuhren. Dort stauten sich allerdings die Autos und eine Analyse der Karte ergab, daß sie wohl dort auf eine Fähre warteten. Da wir nicht unnötig Geld und Wartezeit ausgeben wollten, kehrten wir um und begaben uns bei Herrestad auf die |E6|. Selbige brachte uns zwar schnell vorwärts, doch sah man nichts weiter von der Landschaft. Also in Hällevadesholm wieder runter und auf einer Bundesstraße weiter Richtung Norden bzw. Halden. Die Landschaft war hier irrsinnig schön: Leicht hügeliges Gelände auf beiden Seiten der Straße wechselte sich ab mit kleinen und größeren Seen. Da wir nun wieder nahe an die schwedische Grenze gelangten, machten wir uns auf eine Straße Richtung Nord-Westen. Bei Aremark gab es dann ein Päuschen an einem von Wäldern umgebenen See. Gegen Abend landeten wir in Rakkestad auf einem kleineren und wenig belebten, gerade deswegen aber auch sehr schönen, Campingplatz auf einer riesigen Lichtung mitten im Wald.
Die Route heute war etwas krude; wir hatten einen großen Schlenker fabriziert, der uns einige Kilometer und Zeit kostete.
Da er allerdings landschaftlich sehr schön war, fassten wir den Entschluß, uns Trondheim und Nordnorwegen zu schenken, da dieses einfach zeitlich unerreichbar für uns war. Wir wollten nun lieber ungefähr bis Otta 200 km südlich von Trondheim fahren und uns von dort aus westlich ins Hochgebirge von Norwegen begeben. Die Gegend namens Jotunheimen versprach auch einige lohnenswerte Ecken und war sowieso als Nationalpark deklariert. Gletscher, Gebirgsseen und eine kleine Straße von Lom zum Sognefjord versprach Natur pur. Nahe Lom wollten wir dann auch ein bis zwei Tage auf einem Campingplatz bleiben, um uns auszuspannen von den Fahrten.
Nach dieser Planung streckten wir uns unter dem blitzblanken Himmel nieder, um etwas Sonne zu tanken und ein wenig in den Studiumsunterlagen zu blättern. Ein Abendessen mit Nudeln sowie ein wenig Zocken (Magic, Backgammon) beschlossen den Tag.
Tag III — Sonntag, der 28.07.02: Kilometerfresserei
So viel hatte man sich vorgenommen und kam doch erst um 09:45 Uhr aus den Federn. Nach einem schnellen Frühstück fuhren wir über Rakkestad, Mysen und Fedsund auf die |E6|. Viel gibt es von der Fahrerei nicht zu berichten; die Landschaft war gewohnt einmalig wie man auf den Fotos sicher erkennen kann. Ansonsten hielten wir nur kurz an, um Mittag zu machen; dort guckten wir uns auch einen Campingplatz am Furnesfjorden aus.
Nach insgesamt rekordverdächtigen 210 km verließen wir in Brumundal die |E6| und checkten auf dem Platz ein. Der Platz war bisher der größte und dementsprechend viele Deutsche sah man auch. Das Dauercamping-Phänomen konnte man hier besonders gut betrachten: Am Ufer des Furnesfjorden lagen dicht an dicht Wohnwagen und -mobile, von denen den meisten die Räder abmontiert waren. Fast alle besaßen einen stark gepflegten Vorgarten mit Rindenmulch und einige wenige hatten sogar einen Jägerzaun um ihr Gelände gezogen. Hatte man vorher die Illusion, daß solch eine Akribie nur Deutschland eigen war, wurde man hier eines besseren belehrt, denn alle Wohnwagen, die noch ein Kennzeichen besaßen, hatten Norwegische. Daß wir heute schon den Blick über den Furnesfjorden schweifen lassen konnten, hatten wir am Vortag ebenso wenig erwartet wie die Tatsache, daß wir schon die Hälfte des Weges bis Lom zurückgelegt hatten. Statt drei Tagen Fahrzeit war die Strecke nun schon in zweien zu schaffen, aber wir nahmen uns vor, am nächsten Tag u.a. auch in Lillehammer auszusteigen, um nicht alles nur an uns vorbeiziehen zu lassen.
Da es noch früh am Tage war, begaben wir uns noch zum Joggen. Da wir beide nicht unbedingt so trainiert waren, überraschte es uns nun doch, wie gut das ging. Nach einer halben Stunde plus Schlußspurt waren wir dann aber doch reichlich erledigt.
Danach palaverten wir noch ein wenig über ein gemeinsames Projekt — das IW-Online-Computerspiel — und führten unsere Vorstellungen zusammen. Bei dem Projekt handelt es sich um eine grafische Wirtschaftssimulation in einem fiktiven in der Zukunft liegenden Universum. Auch wenn neben Studium und Nebenjob wenig Zeit bleibt, wollten wir in unserem Freundeskreis doch ein größeres gemeinsames Projekt anfangen, damit wir wieder ein wenig öfter zusammen kämen als das bisher der Fall war.
Da heute Sonntag war und wir deswegen nicht einkaufen konnten, blieb uns nur Suppe zum Abendessen. Danach beschloß wieder etwas Spielerei (Schach und Carcassone) den Tag.
Tag IV — Montag, der 29.07.02: Sightseeing und Zerstörung
Wie üblich begaben wir uns um 09:00 Uhr aus den Federn und fuhren nach dem Frühstück gleich los. Am nächsten Tag stand ein Ruhetag an, darum sollte heute eingekauft werden.
Auf der |E6| blieben wir noch bis Moelv, dann ging es auf die als landschaftlich schöner ausgezeichnete |213|. In Lillehammer strebten wir zuerst ins Zentrum zum Einkaufen und dann zum Olympiapark, der seit den Olympischen Winterspielen 1994 offensichtlich ein eher kärgliches Dasein fristet. Der Park befindet sich oberhalb des Stadtkerns in der Natur, das Gebiet direkt um die „Hakons Hall" besteht zum größten Teil aus ungepflegter Wiese und Feldwegen, die zu den einzelnen Teilanlagen führen. Am schönsten ist die Skisprungschanze gelegen, von deren Fuß man schon einen überragenden Blick über die Stadt und die Ausläufer des Myosasees hat. Auf der |E6| ging es weiter bis nach Ringebu, wo wir uns die zugehörige Stabkirche anschauten. Ein Bild von selbiger sollte man sich mit den Fotos machen können.
Weiter auf der |E6| Richtung Norden wurde aus der landschaftlich unschönen Autobahn schließlich eine normale Bundesstraße, wodurch man wieder mehr von der Landschaft sehen konnte. Durch das Gudsbrandstal neben an einem Fluß entlang, flankiert von bewaldeten Bergen schlängelte sich die Straße Richtung Norden. In Sjoa verließen wir die |E6| und wechselten auf die |257| nach Randsverk.
Dort fanden wir auch schnell einen schönen Campingplatz; dieser war der erste, der nicht nur aus einer Wiese, sondern auch aus einem größeren Waldgebiet bestand. Zwischen den Bäumen blieb genug Platz für Wohnmobile, so daß ein passender Platz am Rand direkt an einem schnell fliessenden Flüßchen flugs gefunden war.
Da Enno noch eine Zahnbürste benötigte, aktivierten wir zum ersten Mal die Fahrräder und begaben uns auf die Suche nach einem Ort. In der einen Richtung fand sich nach einigen Kilometern kein Ort, also fuhr Enno allein noch weiter. Die Berge forderten ihren Tribut von meinen Knien. Später kam er mit selbiger wieder zurück, ein paar Minuten weiter in die andere Richtung hatte sich schnell ein zweiter Campingplatz mit passendem Angebot gefunden. Ein weiteres Indiz, daß in Norwegen die Campingplätze dicht an dicht stehen — und es vermutlich mehr davon als Städte oder Dörfer gibt.
Heute dauerte die Zubereitung des Abendessens etwas länger, denn Chili war angesagt. Dabei bewölkte sich der Himmel zusehends und nach dem Essen bewahrheiteten sich die Ahnungen: Ein wahrer Sturzbach ergoß sich über dem Campingplatz. Nach ein paar Minuten mitten im Zocken tat es plötzlich einen lauten Knall. Wir sahen raus und folgerten, daß sich die ausgefahrene Plane des Vordaches offenbar mit Wasser gefüllt hatte. Nach einigen Litern war eine der Stangen eingeknickt und gegen das Wohnmobil geflogen. Eine Reparatur war mitten im Dunkeln natürlich nicht möglich, daher wurde das Vordach einfach notdürftig eingefahren und die noch draußen befindlichen Sachen hereingebracht oder abgedeckt. Damit waren heute schon zwei Sachen zumindest ernsthaft beschädigt: Das Vordach und der Tisch im Mobil. Auf diesen war nämlich eine 1,5-Liter-Flasche mit Deckel voran gefallen, nachdem sie auf Öffnen eines Schranks nicht in Selbigem bleiben wollte. Die Moral von der Geschicht: Auf physikalische Gesetze besser achten. Insbesondere die Gravitation scheint beim Campen eine Hauptrolle zu spielen. ;)
Um Mitternacht ging es ins Bett. Der wenige Schritte entfernte Fluß sorgte für eine angenehme Geräuschkulisse.
Tag V — Dienstag, der 30.07.02: Ruhetag

Nach dem Schock zu mitternächtlicher Stunde schliefen wir etwas länger. Gemächlich ließen wir es heute angehen, denn es stand ein Ruhetag an. Nach dem Frühstück sonnten wir uns ein wenig und brüteten dabei über unseren Studienunterlagen.
Gen Mittag machten wir uns dann an die Reparatur des Vordachs. Da die Befestigung der Plane an der Stange beim Sturz derselben aber offensichtlich komplett verbogen war, gaben wir das Vorhaben der kompletten Reperatur bald auf und befestigten das Vordach nur so, daß es während der Fahrt und auch sonst nicht herunterfallen konnte.
Da wir direkt neben gestern erwähntem Flüsschen standen, kam ich auf die glorreiche Idee, die Plastikstühle in den Fluß zu stellen, da selbiger nicht sehr tief war und so der Kontakt zur Natur direkter sein würde. Der Plan wurde auch gleich in die Tat umgesetzt; ein paar Schnitten und das Backgammon-Spiel komplettierten die Sache. Mitten in dem schnell fließenden Fluß hatte man das Gefühl, die Zeit wäre stehen geblieben. Kein Lufthauch wehte, der einzusehende Teil des Campingplatzes war leer und ansonsten nur stille Natur. Komischerweise zerstörten die tobenden Wasser diesen Effekt nicht, sondern verstärkten ihn noch.
Einige Stunden hielten wir uns im Wasser auf, dann brach auch schon wieder der Abend an. Sparsamkeit war heute Trumpf, es gab nur Suppe. Erwähnenswertes oder Besonderes gibt es weiter nichts zu berichten, außer daß Enno im Bad eine zweite Zahnbürste fand. Damit war seine Mördertour den Berg hinauf umsonst, worüber er sich aber auch nur bedingt ärgerte. Ein wenig wurde noch gelernt und gezockt und schließlich ging es ins Bett. Ein sehr ruhiger Ruhetag. ;)
Tag VI — Mittwoch, der 31.07.02: Ab ins Gebirge

Fast hätten wir den schönen Tag verpennt, aber um 09:30 Uhr ging es doch noch aus den Federn. Nach dem Ruhetag fiel es schwer, sich zu etwas aufzuraffen, zu viel Entspannung kann eben auch ermattend sein. Das Chaos, das selbiger und der Wolkenbruch angerichtet hatte, wurde bis 11:30 Uhr beseitigt. Dann wurde noch Frischwasser aufgefüllt und losgefahren.
Während des ersten Kilometers gab es gleich eine prekäre Situation: Auf die enge Gebirgsstraße noch nicht eingestellt ging ich mit 70 in eine Kurve, für die diese Geschwindigkeit aber offensichtlich zu schnell war, denn ein entgegenkommendes Auto mit Wohnwagen verursachte bei mir ob der Enge einen Schweißausbruch und beim Wohnmobil quietschende Reifen. Aber es ging noch alles gut und ab da hatte man die Lektion gelernt und fuhr etwas gemächlicher.
Steil ging es später bergab, der dritte Gang war schon nötig, um die Bremsen nicht zu belasten. Danach kamen wir ins hübsche 700-Seelen-Dörfchen Lom, der letzten Station vor dem Hochgebirge Norwegens: Jotunheimen. Hier kauften wir noch einmal ein, tankten und leerten unseren Abwassertank. Das zumindest das Tanken nötig war, merkten wir später deutlich, denn außer ein paar Haltepunkten und wenigen Hotels war auf der |55| nichts weiter außer schöner Landschaft. Die enge Straße zog sich durchs malerische Gelände.
Zuerst auf beiden Seiten flankiert durch hohe Berge mit Gletschern ließen wir die höchsten Berge Norwegens — den Goldhoppigen und den Glitterdalen (beide um die 2.400) — links liegen und begaben uns bergauf Richtung Sognefjord. Auf etwa halber Strecke trafen wir auf die Krossbu-Turiststation mit beiliegendem „Campingplatz", wenn man das so nennen darf, denn es handelte sich um ein parkplatzähnliches Kiesgelände mitten in der gebirgischen Tundra. Wir ankerten hier aber trotzdem, denn erstens war es sehr preiswert mit 80 Kronen (bisher zwischen 120 und 150 Kronen) und zweitens konnte man von hier aus eine schöne Wanderung starten. 99 Kilometer hatten wir heute fahrenderweise zurückgelegt.
Letzteres nahmen wir dann auch nach dem Einchecken in Angriff. Ich nahm meine Laufschuhe, Enno hatte besseres Schuhwerk, und dann ging es steil bergauf in Richtung Gipfel. Die Natur präsentierte sich hier eher karg: Typische Tundra mit viel Geröll, Moos und anderem Gewächs — nichts höher als zwei Fuß. An einem reißenden Flüßchen — dagegen war der Fluß, an dem wir den letzten Tag verbracht haben, milde plätschernd — machten wir eine Pause. Weiter den Berg hinauf mußten wir schon ächzen, aber der Ausblick bei jedem Umdrehen entschädigte für alle Mühen. Kurz vor dem Gipfel lag dann auch Schnee, in ca. 1.500 Metern Höhe. Dergleichen findet man in den Alpen erst bei über 2.000 Metern. Auf dem Gipfel hatten wir dann ungefähr 300 Meter Höhenunterschied bewältigt; nichts Großartiges, aber der Ausblick war fabelhaft. Der Abstieg ging sicherlich doppelt so schnell (45 Minuten gegenüber 90 Minuten Aufstieg), aber dafür übelst in die Knie, denn einen befestigten Wanderweg suchte man vergeblich. In Bergsteigermaßstäben gesprochen war das wohl Stufe II: mäßig schwierig, unter Zuhilfenahme der Hände ohne Ausrüstung zu bewältigen.
Wieder am Wohnmobil angekommen hatte sich zwei Meter von unserem ein anderer Deutscher niedergelassen — seinesgleichen entkommt man wohl nie. ;) Matt ließen wir uns nieder, danach ging es für mich unter die Dusche. Um ca. 20:00 Uhr fing es dann an zu regnen, was uns aber nicht weiter störte, denn unterwegs waren wir ja schon gewesen — und heute konnte auch kein Vordach einstürzen.
Wir bruzzelten uns noch Abendessen — wieder mal Nudeln — und kamen dann sogar noch ins Philosophieren; das Wandern muß dran Schuld gewesen sein. Schließlich ging es ab in die Betten.
Tag VII — Donnerstag, der 01.08.02: Zu den Gletschern
Gemächlicher ging es heute wieder zu, denn eilig hatten wir es nicht. Sieben Tage wollten wir noch in Norwegen bleiben und die Hälfte des geplanten Weges war ja schon zurückgelegt. Nach dem Frühstück ging es um 12:00 Uhr verhältnismäßig spät los.
Die Straße zog sich in Serpentinen bergauf und nach zwei Kilometern war schon der höchste Punkt erreicht, der auf der |55| — Norwegens höchster Paßstraße — möglich war, nämlich ungefähr 1.500 Meter. Einen grandiosen Rundumblick hatte man von hier auf die zahlreichen Gletscher zu allen Seiten. Mehr Pausen als sonst machten wir hier oben, danach hieß es, die 1.500 Höhenmeter wieder abzutragen. Im zweiten Gang ging es die starken Abstiege hinab. Bei circa 500 Meter über NN fuhren wir dann durch eine Landschaft, die durchaus auch in Italien hätte liegen können: Dichte Nadelwälder flankiert von hohen Bergen; die Straße führte in einem Tal zwischen diesen Bergen hindurch. Teilweise trafen wir immer noch auf Serpentinen, die zahlreiche Blicke auf die tiefer liegenden Dörfer gestatteten.
In Skjolden begegneten wir endlich dem Lustrafjord, dem ersten Fjord auf unserer Reise. Selbiger ist ein Seitenarm des Sognefjords, der wegen seiner Größe auch als „Majestät unter Norwegens Fjorden" bezeichnet wird und auf den wir morgen zu treffen gedachten. Das Wasser der Fjorde ist einfach unglaublich blau — dasselbe Phänomen bemerkten wir auch schon bei den Abflüssen der Gletscher; vielleicht ein Resultat der Mineralienarmut, müßte man mal nachlesen. ;)
In Gaupne verließen wir die |55| und bogen auf die nördlich abzweigende |604| ab. Zwar mußten wir damit am nächsten Tag dieselbe Strecke bis Gaupne wieder zurückfahren, da die |604| mitten im Jostedalen endet, aber wir planten einen lohnenswerten Abstecher in ebendieses Tal. Dort wollten wir von einem Campingplatz aus Richtung Nigardsbreen wandern, einem Gletscher, denn bisher hatten wir die Dinger nur von weitem gesehen.
Diese Landstraße war extrem eng, aber immerhin nicht bergig. So konnte man ohne Schweißausbrüche den zahlreichen Wohnmobilen, die uns entgegenkamen, ausweichen. An dieser Stelle sei erwähnt, daß wir hier auf extrem viele Deutsche trafen. Auf den 30 Kilometern bis Nigardsbreen begegneten wir ca. 20–30 Wohnmobilen mit deutschem Kennzeichen. Traf man bisher zwar auch öfters auf Deutsche, so war dies hier jedoch der absolute Rekord. Norwegische Autos waren auf dieser wenig befahrenen Strecke zudem spärlich gesät.
In Nigard — dem sicher kleinsten Dörfchen auf der Welt und benannt nach dem Hof Nigard, der hier einem Gletscherrutsch zum Opfer fiel — hielten wir auf einem schön zwischen zwei Flüßchen gelegenen Campingplatz; es standen wieder einmal 100 Kilometer auf dem Tacho. Gleich danach, es war ungefähr 15:00 Uhr, brachen wir Richtung Gletscher auf. Es waren bis dorthin 5 Kilometer, die wir zu Fuß zurücklegten; Fahrräder wären trotz Maut zwar kein Problem gewesen, aber ich befürchtete Anstiege, mit denen ich so meine Probleme habe. Die Befürchtungen stellten sich aber als falsch heraus.
Zwischen dem Gletscher und dem Parkplatz befand sich ein recht großer See, den man entweder per zu zahlendem Boot überqueren oder durch einen gekennzeichneten Wanderweg umlaufen konnte; wir entschieden uns für das Umlaufen. Allerdings war die Strecke mörderisch. Es gab eigentlich keinen Weg, sondern nur Markierungen alle 10 Meter auf dem Boden. Selbiger war von schnell fließenden Bächen, riesigen Steinen und zahlreichen Bäumen und Büschen bedeckt. Also kraxelten, wateten und macheteten wir unseren Weg durch die Landschaft. Die Füße waren zumindest bei mir schnell naß und ein bis zwei Mal gab es durchaus auch Gelegenheit, ein paar Meter zu stürzen und sich die Knochen zu brechen.
Aber es ging immerhin alles gut und wir konnten zwei Drittel des Weges zurücklegen. Danach verließen uns unsere Kräfte, zumal wir denselben Weg auch wieder zurückgehen mußten, denn Geld für das Boot hatten wir keines dabei. Also kehrten wir um.
Der Rückweg war allerdings weniger anstrengend. Wir kannten nun das Terrain sehr gut und hielten uns auch mehr an die Markierungen. So konnten wir die Strecke in einem geschätzten Viertel der Hinlaufzeit zurücklegen. Um 18:30 Uhr kamen wir schließlich zerschlagen wieder auf dem Campingplatz an.
Mehr als Kartoffelsuppe, die persönliche Säuberung und ein wenig Zocken brachten wir heute nicht mehr zustande und es ging verhältnismäßig früh um 23:00 Uhr zu Bett.
Tag VIII — Freitag, der 02.08.02: Am Lustrafjord
Um halb Zehn stand man auf, frühstückte in Ruhe und fuhr los — man kennt das ja. Wir fuhren als erstes nach dem Aufbruch auf der |604| weiter Richtung Norden. Die Straße wurde immer enger und auf der Karte erst Gelb (statt Rot) und dann Weiß, was stetige Verkleinerung bedeutete. So kamen wir in eine Ecke der Bergregion, die wahrlich extrem dünn besiedelt ist. Ein Dörfchen aus zehn Häusern auf ebensovielen Kilometern ist hier Standard. Bevor die Straße nun auf der Karte sich endgültig in einen dünnen Strich (Wanderweg) verwandelte, drehten wir um, denn mehr wollten wir von der Gegend auch nicht sehen und unsere Richtung war dies auch nicht. Der Rückweg war — zumindest für Enno als Beifahrer — etwas langweilig, weil die Straße auf 30 Kilometern schon bekannt war.
In Gaupne ging es auf die altbekannte |55| weiter nach Südwesten. Hier sei anbei bemerkt, daß diese Straße für Norwegen-Kennenlerner meiner Meinung nach erstklassig ist. Nordöstlich von Bergen aus geht sie am majestätischen Sognefjord entlang mit einer Fährfahrt über den malerischen Ort Balestrand und Sogndal ins Norwegische Hochgebirge; zuerst fährt man durch wunderschöne Landschaft wie in Tag VII beschrieben und steile Serpentinen hinauf über Norwegens höchste Paßstraße und durch karge, aber faszinierende Landschaften — siehe Tag VI. Dann fährt man am nördlichen Ende wieder hinab und landet im 700-Seelen-Örtchen Lom. Als weitere Wege dann je nach Zeit vielleicht |E6| Richtung Trondheim oder zurück über Lillehammer Richtung Südöstliches Norwegen bzw. Göteborg. Allerdings kann man diese Tour nur in den Sommermonaten machen; es sei denn, man möchte oben auf dem Paß in meterhohem Schnee waten.
Nach einigen Kilometern nun machten wir wie geplant einen Abstecher nach Solvorn, von wo wir per Fähre ohne Wohnmobil nach Urnes übersetzen wollten. Dort gab es nämlich laut Reiseführer die älteste Stabkirche Norwegens zu sehen. Solvorn war natürlich auch ein sehr kleines Örtchen, zudem mit Badestätte, was die Parkplatzsuche schwierig machte. Wir fanden zwar einen, ratschten aber mit dem Dach ein wenig an einem Häuschen; immerhin war nichts passiert. Danach fuhr nebenan jedoch ein Auto weg, auf dessen Platz wir uns stellen konnten — wieder mal Glück gehabt.
Die Fähre war ein kleiner 40-Personen-Dampfer, da die größere ausgefallen war. Er fuhr stündlich und uns innerhalb 15 Minuten über den Fjord nach Urnes. Unglücklicherweise zusammen mit einer Busladung „klassischer" Touristen, mit der wir dann den wegen der brennenden Sonne (sollte man von Norwegen nicht denken, ist aber so) relativ harten Aufstieg zur Kirche hinter uns brachten. Die Kirche ist komplett aus Holz gebaut und sehr sehenswert. Hinein wollten wir aber nicht, denn von den geschichtlichen Fakten hätten wir nichts gehabt. Nach einer Stunde dampften wir wieder hinüber nach Solvorn und fuhren zurück auf die |55|.
In Sogndal trafen wir zum ersten Mal auf den Sognefjord. Wir fuhren durch das Städtchen mangels Interesse hindurch und immer am Fjord entlang westlich bis nach Leikanger. Hier kauften wir nochmal ein und fuhren danach weiter bis nach Hella, wo wir nach Balestrand übersetzen wollten. Hier traf der auch recht große Fjaerlandsfjord auf den Sognefjord, wodurch Brücken nicht möglich waren. Zwischen den Fährhäfen Dragsvik (Westen), Vangsnes (Süden) und Hella (Osten) wurde der gesamte Verkehr also auf Schiffen den ganzen Tag halbstündlich über die Fjorde geschippert.
Lustigerweise merkten wir nun in Hella, daß wir keine Barschaft mehr besaßen. In Hella, das aus drei Häusern bestand, gab es natürlich auch keinen Geldautomaten; damit ging es dank unserer Dummheit wieder 12 Kilometer zurück nach Leikanger, wo der nächstliegende stand. Eine halbe Stunde war damit verschenkt, aber immerhin an eine Fjordstraße, so daß es nicht so schlimm war.
Um 18:30 Uhr setzten wir über; glücklicherweise war direkt 100 Meter entfernt von Dragsvik ein auch vom Reiseführer gelobter Campingplatz direkt am Fjord. Leider war er sowohl etwas teurer als auch ziemlich voll — wohl dank seiner drei Sterne —, aber auf eine Weiterfahrt hatten wir beide keine Lust mehr, denn 165 Kilometer hatten wir heute hinter uns gebracht. Wir guckten uns also einen schönen Platz aus und wuschen noch unsere dreckige Wäsche, was wirklich an der Zeit war, denn alles frische war heute ausgegangen. Danach gabs noch als Abendessen Pfannkuchen. Ein bisschen Zocken und ein kleiner Streit um die Trivialität von Backgammon beendeten den Tag. ;)
Tag IX — Samstag, der 03.08.02: Born to Camp Wild
Das, was morgens passierte, brauche ich wohl kaum noch hinschreiben: Frühstück, Routenplanung, Zusammenpacken, Losfahren. Heute wollten wir westlich bis nach Vadheim fahren und uns dort von der |55| verabschieden, die uns vier bis fünf Tage begleitet hatte. Zwischendurch machten wir einen Stop im laut Reiseführer schönsten Ort des Sognefjord: in Balestrand. Das Städtchen ist zwar sehr malerisch, doch unserer Meinung nach nicht unbedingt ein Muß für Durchreisende. In nahezu einem Rutsch ging es dann weiter bis Rysledalsvika, einem kleinen Fährhafen, wo wieder einmal die Kraftfahrzeuge über den Fjord geschippert wurden. Da wir uns eine sehr kleine Fähre ausgesucht hatten, mußten wir leider über eine Stunde warten. Also wurde erstmal Mittag gegessen und die Gegend angeschaut, die diesmal weniger prickelnd war.
Nach einem kurzen Sonnenbad ging es über den Sognefjord. Die Fähre brachte einiges an Fahrt drauf, so daß es uns auf dem Oberdeck fast die Schuppen aus den Haaren wehte. 25 Minuten später jedoch war dann auch schon wieder Schluß mit Seeluft. Immer weiter ging es auf der engen und schlecht überschaubaren, aber deswegen äußerst schönen |604|, bis Enno mich plötzlich in eine sehr kleine Gemeindestraße (Feldweg) lotste, um dort nach einem Platz für die Nacht abseits der Campingplätze Ausschau zu halten. An sich nicht abgeneigt fuhr ich den Feldweg bis zu einem Dörfchen mitten in der schönsten norwegischen Hinterlandschaft. Bis auf den Feldweg und die Grundstücke der Bewohner gab es allerdings kein Stück Land, auf dem wir hätten übernachten können.
An einem Haus neben einem größeren brachliegenden Feld schauten wir nach einem Menschen, der uns das Übernachten hätte erlauben können, aber niemand zeigte sich auf unser Klopfen. Drum also fuhren wir zurück auf die Hauptstraße. Mittlerweile schon auf 18:00 Uhr zugehend, senkte sich unsere Moral, denn zum nächsten auf der Karte ausgezeichneten Campingplatz war es noch weit. Außerdem mußten wir noch einmal mit einer Fähre übersetzen. Selbiges taten wir dann auch. Eine Kabelfähre — also eine Fähre, die sich nicht frei bewegen konnte, sondern von einem Kabel über den Fjord gezogen wurde — brachte uns über einen weiteren kleinen Fjord. Drüben angekommen fuhren wir noch ungefähr 20 Kilometer weiter auf der extrem engen |604| (mittlerweile nicht größer als ein Feldweg, dabei aber extrem hügelig, dicht bewachsen und unregelmäßig befahren), dann fiel mein Auge auf zwei Wohnwagen am Straßenrand, die auf einem Rastplatz standen. Selbiger lag sehr schön direkt an einem riesigen Fjord; es wurde nun nicht lange gefackelt, dies war unser Platz für die Nacht.
Gute 200 Kilometer standen heute auf dem Tacho. Flugs wurde ausgepackt und das Chili in die Pfanne gehauen, denn es war jetzt auch schon 20:00 Uhr. Die Moral hob sich wieder auf ein gutes Niveau, denn der Platz war erstklassig und Campen erlaubt, da kein Verbotsschild zu sehen. Neben uns kamen dann auch Norweger von einem Angeltrip zu ihrem Wohnwagen zurück, bereiteten sich für die Nacht vor und brieten ihren Frischfang. Das Chili gelang diesmal auch weitaus besser als noch vor einigen Tagen.
Wir schrieben dann noch fünf Postkarten (mehr hatten wir an dem Tag noch nicht) und genossen den herrlichen Sonnenuntergang. Es war der erste in Norwegen, denn sonst waren immer Berge oder andere Hindernisse vor der Sonne gewesen. Der Sonnenuntergang war übrigens auch später als 23:00 Uhr — zu dieser Zeit war es in Deutschland wohl schon lange dunkel. Hiernach ging es dann recht fix in die Betten.
Tag X — Sonntag, der 04.08.02: Bergen
Heute wachten wir auf, als das Norwegische Ehepaar neben uns gerade los fuhr. Frühstück und Abwaschen sowie Zusammenpacken war schnell erledigt, dann fuhren wir weiter nach Süden. Wir trafen recht bald auf die |E39| und fuhren auf dieser sehr gut ausgebauten Straße weiter, nun Richtung Bergen, also Süd-Westen. Wir rätselten noch, ob wir nach Bergen reinfahren sollten — Parkplatzprobleme und Maut inbegriffen — oder ob es mehr Sinn machte, in einem Vorort zu halten und mit den Rädern in die Stadt zu fahren. Wir entschieden uns schlußendlich für ersteres, weil schließlich Sonntag war und damit für Bergens Straßen sowieso keine Maut und für die Parkplätze keine Gebühr zu entrichten war. Nur für die Brücke zur Stadt mußten wir die Geldbörse zücken.
Wir waren schnell in Bergens Zentrum und parkten an einem riesigen See mit Fontäne mitten in der City (der Name ist mir nur zum Teil bekannt: Lillelungegardsv.). Zuerst strebten wir zum Aussichtsberg Floyen im Norden der Stadt. Hier fuhr eine Seilbahn die 840m auf den Gipfel. Der Ausblick vom Floyen ist einfach gigantisch: Man kann das komplette Zentrum überblicken sowie Teile der umliegenden Gegenden. Der Berg ist zudem so steil, daß man denken kann, man gucke aus einem Turm hinunter auf die Häuser. Den Rückweg legten wir per pedes zurück; wir hielten uns oberhalb der Stadt und trafen erst weiter westlich wieder auf die City. Hier schauten wir uns die alte Festung Bergenhus an, von der allerdings nicht mehr allzuviel zu sehen war. Eine Schiffsexplosion im Hafen direkt nebenan im Jahre 1944 hatte laut Reiseführer die Festung mit in die Luft gesprengt. Nun gibt es dort nur noch eine große Liegewiese mit umliegender Mauer und das alte Tor.
Nach kurzer Pause ging es weiter die Bradbenken hinunter zum Bryggenkai. Hier tobte vom 14. bis 16. Jahrhundert das Leben, denn an diesem Kai hatte die Hanse eines ihrer Hauptkontore. Brygge bzw. Bergen war damals der Hauptumschlagsplatz für den Handel mit Nordnorwegen. Stockfisch, Tran und Roggen wurde hier zumeist verschifft. Heute zeugen noch ein paar alte Häuser am Kai, die mehrere Großbrände „überlebt" hatten bzw. sie wurden immer wieder aufgebaut, und die Architektur des Stadtviertels von dieser Zeit.
Hier genehmigten wir uns am Fischmarkt ein für unsere Verhältnisse sündhaft teures Brötchen. Dafür ersetzte es aber auch ein komplettes Mittagsmahl, denn neben Salat waren da auch Krabben und ein Klecks Kaviar (!) zu finden. Trotzdem hatten wir flugs den Betrag einer Campingplatzübernachtung verspeist.
Nebenbei bemerkt hatten wir mit dem sonnigen Tag in Bergen offenbar großes Glück, denn der Reiseführer nannte Bergen die Stadt in Europa mit dem meisten Regenanteil. An sage und schreibe 240 Tagen im Jahr soll es in Bergen regnen und dabei insgesamt 2.000 Millimeter Niederschlag pro Jahr niedergehen (im Vergleich München mit 940 Millimetern). Als Begründung werden die Süd-/Westwinde genannt, die über dem Golfstrom Feuchtigkeit aufnehmen, die durch Bergens Berge nach oben steigt, dort abkühlt und dann als Steigregen herniedergeht.
Schließlich ging es nun noch zum Bergener Akvarium. Wie der Name sagt, sind dort in ca. 50 kleinen Aquarien zahlreiche Fischarten zur Schau gestellt. Außerdem gibt es dort ein Seehund- und Pinguinbecken. Selbiges ist mitten im Wohngebiet auf der anderen Seite des Vagen zu finden, jener Bucht, an deren anderer Seite die Festung und der Bryggenkai liegt. Das Akvarium hielt, was es versprach: Zahlreiche ausgestellte Fischarten, zu deren Studium mir aber die Lust fehlte — Fische gehören halt nicht zu meinen Lieblingstieren. Dafür entschädigte mich aber das Pinguinbecken reichlich. ;) Traurig fand ich allerdings den engen Platz in den Teilaquarien, solch eine Zur-Schau-Stellung ist nun mal immer ein zweischneidiges Schwert.
Erledigt traten wir danach den Rückweg zum Wohnmobil an. Wir entspannten noch eine Zeitlang an oben genanntem See und stiegen dann wieder ins Mobil. Aus Bergen heraus zu kommen, gestaltete sich nun ungleich schwieriger als in die Stadt hinein. Straßen hinaus gab es zwar viele, doch die Straßen(nummern), die auf unserer eigentlich recht genauen Karte verzeichnet waren, fanden wir nicht und diejenigen Straßen, die wir befuhren, waren in der Karte nicht ausgezeichnet. Die Orte, die ausgeschildert waren, schienen auch so klein, daß sie in der Karte nicht auffindbar waren. So blieb uns nur, uns nach dem Gefühl Richtung Nordosten zu wenden, wo wir auch hin wollten; die Sonne leistete da gute Hilfestellung. Trotzdem klappte diese Vorgehensweise ganz und gar nicht, denn schließlich fanden wir uns im Süden der Stadt wieder, Richtung Stavanger unterwegs. Aus der Not eine Tugend machend und auch weil wir auf keinen Fall umkehren und wieder durch Bergens Straßengewirr fahren wollten, fuhren wir nun nach Süden bis Osöyro und wandten uns von dort nach Osten auf die |552|. In zwei Tagen (nach einem Ruhetag) wollten wir sowieso nach Osten den Hardangerfjord entlang fahren, da machte es keinen Unterschied, ob wir uns diesem von Norden oder von Süden her näherten.
Nach einigen Kilometern mußten wir uns dann noch mit einer Fähre wieder einmal über den Fjord tragen lassen. Direkt am anderen Ende war auf der Karte ein Campingplatz ausgewiesen, den wir uns auch natürlich anschauten. Wieder einmal hatten wir Glück im Unglück: Die Lage war erstklassig und wir fanden wieder einen Stellplatz direkt oberhalb des Fjords mit perfekter Aussicht. Außerdem konnte man ein Motorboot mieten, was wir für den nächsten Tag auch in Erwägung zogen. Schlußendlich standen heute 110 Kilometer auf dem Tacho.
Schließlich telefonierten wir noch nach Hause und teilten mit, daß wir Ende der Woche wohl wieder eintreffen würden. Dann wurde noch ein wenig gezockt und ins Bett gegangen, nachdem mich Enno beim Schach zweimal geplättet hatte.
Tag XI — Montag, der 05.08.02: Ruhetag II
Wir waren am Vortag wegen des Schachs spät ins Bett gekommen und standen daher heute auch erst um 10:00 Uhr auf. Mit Frühstück und ein wenig Palaver über IW-Online wurden wir langsam wach. Heute stand wieder ein Ruhetag an, viel geplant war nicht. Wir erkundigten uns nach einem Motorboot, aber leider waren alle — d.h. das einzige — schon ausgeliehen. Darum hauten wir uns dann den ganzen Nachmittag in die Sonne. Um 14:00 Uhr kochten wir uns Nudeln und wollten dafür dann am Abend nichts weiter Großartiges essen.
Ungefähr um 17:00 Uhr aktivierten wir noch die Räder und fuhren zum nächsten Supermarkt. Zu unserer Überraschung war dieser jedoch geschlossen. Scheinbar war am heutigen Montag in Norwegen ein Feiertag. Wir fuhren noch ein wenig weiter auf der Landstraße, kehrten dann doch aber bald wieder um, als die Straße abschüssig wurde, denn den Berg wieder hoch zu radeln hatten wir keine Lust.

Den Abend bestimmte etwas Lernen, Lesen und Zocken. Außerdem hatten wir Stress mit dem Chef des Platzes, der weder Englisch noch Deutsch ausreichend konnte. Immerhin konnte er sich soweit verständig machen, uns mitzuteilen, daß wir seiner Meinung nach nur für einen Tag bezahlt hätten. Wir hatten bei seinem Kollegen allerdings korrekt für zwei Tage bezahlt, darum wunderte uns das ein wenig. Quittung besaßen wir auch keine und mit seinem Handy konnte der Chef seinen Kollegen auch nicht erreichen (war ja auch schon 22:00 Uhr vorbei). Aber wir schienen einen einigermaßen vertrauenswürdigen Eindruck zu machen, denn auf seine Nachfrage, wieviel wir denn bezahlt hätten, antworteten wir korrekt mit 240 Kronen und darauf verschwand er einfach.
Nach dem Stress zockten wir noch etwas und gingen dann Pennen.
Tag XII — Dienstag, der 06.08.02: Wasserfälle
Um 09:30 Uhr standen wir auf und nahmen nur ein kleines Frühstück ein. Relativ fix packten wir alles zusammen, so daß wir schon gegen 11:00 Uhr losfahren konnten. Die Eile war allerdings ungewollt.
Zu Beginn fuhren wir die |552|, bald später jedoch auf der |49| und der |7|, weiter nach Osten direkt am Hardangerfjord entlang. Mittlerweile war etwas Reise- und Guckmüdigkeit erkennbar, denn wir hielten nur an einem größeren Wasserfall an und machten nicht mehr ganz so viele Fotos wie üblich. Außerdem bedienten wir uns des Kassettendecks und des CD-Players zur akustischen Untermalung. Dies war bisher auch nicht üblich, denn die Natur lieferte genug Reize, die unsere Sinne voll in Anspruch nahmen. Deswegen auch hier nur die geringe Beschreibung, daß der Hardangerfjord von seiner landschaftlichen Beschaffenheit weitaus lieblicher ist als der Sognefjord. An den Ufern steigen die Berge weniger steil empor und es gibt weitreichende Obstplantagen an deren Hängen sowie einige Rasenflächen. Zudem ist die Gegend einfach viel stärker bevölkert. Wer also (nicht raue, so krass ist es auch nicht, aber) unbefleckte Natur sehen möchte, ist mit dem Sognefjord gut bedient; wer es romantisch möchte, strebt eher zum Hardangerfjord.
Wir fuhren bis Oystese, einem Städtchen, in dem Enno vor einigen Jahren schon einmal Urlaub machte und in dem er sich daher gut auskannte. Daher machten wir auch einen kleinen Abstecher zu einem weiteren Wasserfall. Das Besondere an diesem Wasserfall ist, daß man auf einem Weg unter selbigem hindurchgehen kann (ohne nass zu werden). Wir schossen einige Fotos und besorgten uns Postkarten, denn schreiben muß man ja seinen Bekannten, wenn man im Urlaub ist. Sonst können sie ja nicht neidisch werden. ;)

Ein kurzes Stück ging es zurück, dann fuhren wir weiter auf der |7| in östlicher Richtung. Kurz darauf war wieder eine Fährfahrt angesagt; in Kvanndal setzten wir über nach Utne. Hier wechselten wir die Plätze und Enno machte wieder den Fahrer; einige Zeit später ging es dann im Süden von Odda auf die |E134|. Nach kurzer Zeit mußte ich etwas Hetze im Keim ersticken, denn Enno machte Anstalten, heute den Rekord in Kilometern zu brechen. Aber schließlich sollen die letzten Tage des Urlaubs ja auch noch genossen werden und nicht gehetzt.
Kurz hinter Röldal trafen wir um 18:00 Uhr auf einen hübsch gelegenen Campingplatz mitten in einem Tal umsäumt von Wasser und Bergen. Hier (Salm Camping) checkten wir nach 175 Kilometern fahren ein und machten uns dann fix zum oben genannten Wasser, denn Enno wollte sich ins kühle Naß stürzen. Hätte ich am Liebsten auch getan, denn es war ganz schön heiß, aber ich hatte leider keine kurze Hose — geschweige denn eine Badehose — dabei. Ich hätte auch vorher nie im Traum daran gedacht, daß es wettermäßig Gelegenheit geben würde, in Norwegen zu baden. Die zwei mitgebrachten Pullover hätte ich mir dabei auch schenken können. Nach dem Schwimmen sonnten wir uns noch ein Stündchen. Es hätte gut länger sein können, jedoch lag der Platz wie gesagt in einem Tal, deswegen verschwand die Sonne recht fix hinter einem Berg.
Drum machten wir uns noch Abendessen und schrieben dann die Postkarten, wofür wir auch gute zwei Stunden brauchten. Danach spielten wir noch eine Partie Schach, welche auch äußerst lang dauerte und in der ich (es ist so bemerkenswert, ich muß es erwähnen) Enno sogar besiegte. party :) Danach ging es um Mitternacht in die Federn.
Tag XIII — Mittwoch, der 07.08.02: Travelling back
Wie üblich ging es um 09:30 Uhr aus den Federn. Nach einem kurzen Frühstück duschten wir noch fix und packten dann zusammen. Um 11:00 Uhr waren wir schon wieder auf der |E134|.
Die Strecke stieg nun steil an und bald waren wir wieder einmal über der Baumgrenze. Die Europastraße zog sich südlich der Hardangervidda und nördlich einer ähnlichen Gegend, aber ohne mir bekannten Namen, durch perfektes Wandergebiet (für Leute mit Vorlieben für alpines Wandern). In Haukeligrend wechselten wir auf die |9| schlußendlich Richtung Süden; diese Straße sollte uns die restlichen 250 Kilometer bis Kristiansand bringen. Wir streiften nun die Telemark, ein weiteres schönes Wandergebiet, aber eher mein Fall wegen des dichten Baumbewuchses. Die Gegend, durch die wir nun fuhren, erinnerte auch stark an den Nordschwarzwald.
Schnell sahen wir, daß wir wohl — auch ohne uns großartig zu hetzen — heute schon die insgesamt 290 Kilometer vom letzten Campingplatz bis nach Kristiansand schaffen würden, denn wir waren früh losgefahren und direkt neben Kristiansand gab es für den Notfall auch genügend Campingplätze.
Zur Mittagspause um 13:30 Uhr hatten wir auch schon gut die Hälfte geschafft. Die Gegend zu durchfahren machte zwar viel Spaß und es gab auch ein wenig was zu schauen, aber um für wenige Stunden irgendwo auszusteigen, war die Landschaft nun doch nicht spannend genug. Endloses Waldgebiet zog sich neben unseren Fenstern dahin. Um ungefähr 17:00 Uhr waren wir ohne weitere Zwischenfälle oder Erwähnenswertem in Kristiansand, nach 300 Kilometern Express-Fahrerei. Schnell fanden wir den Weg zum Hafen und schauten uns erstmal die Fahrpläne an: Eine Fähre war gerade weg, und die nächste Nicht-Expressfähre (wegen Geld) fuhr erst um 01:00 Uhr und dann wieder morgen. Wir entschieden uns für den Nachtverkehr, denn ansonsten hätten wir heute nochmal in der Nähe von Kristiansand übernachten müssen.
Wir besorgten uns also die reichlich teuren Tickets. Das Wohnmobil hatte mit seinen 5,20m Länge × 2,92m Höhe wohl Übergröße, so daß selbige mit knapp über 2.500 Kronen zu Buche schlugen. Immerhin mußten wir nur einen Bruchteil des Betrages selbst bezahlen, sonst wäre unser Studentenkonto wohl geplatzt (oder besser gesagt implodiert). ;)
Auch so war die Reise reichlich teuer wegen des vielen Herumfahrens: Zwischen 400 und 500 Euro mußte jeder von uns beiden abdrücken. Vor allem das Diesel, das in Norwegen so teuer ist wie Super in Deutschland, haute gut rein, sowie die hohen Lebenserhaltungskosten in Norwegen. Trotzdem waren die 14 Tage viel Spaß, die wir hier hatten, unserer Meinung nach auch jeden Cent wert.
Wir schauten uns noch Kristiansand an, das aber nicht viel Sehenswertes bot. Ziellos wanderten wir etwas durch die Stadt, legten uns dann aber am Hafen in die Sonne und schrieben die restlichen Postkarten. Um 20:00 Uhr machten wir uns zum Hafen auf und aßen dort noch zu Abend. Die restliche Zeit bis zur Abfahrt vertrieben wir uns noch mit Zocken.
Tag XIV — Donnerstag, der 08.08.02: Back in Germany
Das Warten auf die Fähre war auch sehr langweilig. Müde lauschte man etwas dem BBC-Radio, das in dieser Gegend ausgestrahlt wurde. Um 00:30 Uhr ungefähr ging es dann auf die Fähre, die weitaus größer war als die Hinfähre. Über Kristiansand – Hirtshals scheint doch mehr Verkehr zu gehen, als über Frederikshavn – Göteborg.
Zwei Parkdecks und vier Gesellschaftsdecks plus Aussichtsdecks bot die Fähre. Wir allerdings suchten mit unseren aus dem Mobil mitgenommenen Decken nur einen Platz zum Pennen. Die Sitze waren in Sekundenschnelle belegt und im Weiteren fanden wir nur relativ unbequeme Stühle. Also begab ich mich auf’s Sonnendeck, um dort an frischer Luft zu pennen und wo noch Plätze frei waren. Enno blieb erstmal unter Deck, weil es ihm oben zu kalt war.
Daß er Recht hatte, merkte ich bald: Bei Fahrt war der Wind recht ordentlich, da nutzte auch die Decke wenig. Seufzend erinnerte ich mich an Pullover und Jacke, die ich bisher nie brauchte und die jetzt bei ihrem ersten möglichen Einsatz unten im Mobil in der Tasche schmorten. Einige Zeit später kam dann Enno herauf und meinte, daß es auf dem hinteren Sonnendeck nicht so zugig sei, da der Fahrtwind dort nicht hingelangte. Wir liefen hin und tatsächlich war dort kein Wind; jedoch war direkt nebenan im Schiffsinneren eine Live-Band zugange, die dort die wenigen wachen Reisenden unterhielt. Selbige und der Dieselqualm aus den Schloten waren dann doch Argumente, die uns zurück ins Schiff trieben.
Nach mehreren Stationen ging es in ein Restaurant, wo wir endlich auf den breiten Sitzbänken uns etwas hinlegen konnten. Bequem war das zwar nicht, aber in der Not…
Um 05:30 Uhr weckte uns eine Borddurchsage, die die Reisenden ins Restaurant zum Frühstücken rief. Die Augen reibend verzogen wir uns zu einem kleinen Tisch und bemühten uns in der folgenden halben Stunde aufzuwachen. Danach ging es dann wenig wach zum Wohnmobil, denn wir liefen in Hirtshals ein.
Schnell war die Autobahn gefunden: Die |E45| brachte uns südlich durch Dänemark. Zuerst suchten wir uns eine Tankstelle und frühstückten dort dann auch gleich noch. Danach fuhr ich uns erstmal aus Dänemark heraus, während Enno pennte. Die Fahrt war genauso langweilig und ereignislos wie die Hinfahrt — kein Wunder, denn wacher waren wir sicher nicht und Dänemark hatte sich landschaftlich auch nicht verändert.
An der Grenze tauschten wir die Plätze und Enno fuhr. Ich pennte bis kurz vor Hamburg, wo der Schlaf dann wieder ein Ende fand, da wir die Autobahn dann verließen wegen eines 12km-Staus am Elbtunnel und ich eine Umleitung suchen mußte. Östlich auf einer Landstraße fuhren wir bis zur Autobahn Lübeck-Hamburg. Auf selbiger ging es dann durch Hamburg durch nach Hannover. Hier erwartete uns zum ersten Mal nach 10 Tagen Sonne wieder einmal Regen. Normal für Deutschland, oder? ;)
Enno setzte mich zu Hause ab, denn zum Wohnmobilsäubern hatte ich einen zu dicken Brummschädel und zu große Müdigkeit. Die Fahrt forderte ihren Tribut, denn auf dem Schiff und im Auto kam der Kopf zwecks Daueranlehnen und Motorvibrieren nie zur Ruhe. Am nächsten Tag wurde das Mobil noch gesäubert, dann war eine großartige Fahrt, die in jedem Punkt gelohnt hatte und funktionierte, zu Ende.
Markus Pöstinger, August 2002
