Ältere Menschen und Computerspiele

Verfasst by turgaer on

Ich habe eben bei SpOn einen Artikel gelesen, der sich mit Menschen im Rentenalter beschäftigt, die ihre Freizeit gerne mit Computer- oder Konsolenspielen verbringen. Überraschend ist das für mich nicht. Natürlich ist die Anzahl der Menschen im Rentenalter, die sich überhaupt für die neuen Medien interessiert, sehr klein; alleine deswegen, weil ältere Menschen in ihrem Leben oftmals nur sehr wenig Kontakt mit hochtechnischen Geräten hatten und darum die Distanz zu einem Computer sehr groß ist. Es gibt einfach wenig, auf das sie neue Erkenntnisse aufbauen können. Dazu kommt das Problem, daß es im hohen Alter von allen Lebensabschnitten ausgehend am Schwierigsten ist, neue Dinge im Gedächtnis zu speichern.

Daß unter denjenigen, die diese Leistung vollbringen, weil sie vielleicht in ihrem Leben vermehrt Zugang zu hochtechnischen Geräten hatten, aber auf jeden Fall auch potentielle Spieler sind, ist wenig verwunderlich; so liefern Spiele meines Erachtens doch den einfachsten Zugang zum Computer. Sie geben, wenn sie gut gemacht sind, sehr schnell eine positive Rückmeldung über Fortschritte und führen den Spieler allmählich an die meist recht unkomplexe Materie heran. Vor allem bei Ego-Shootern ist das der Fall, bei denen man mit der Bachtung von wenigen Grundregeln oft bis zum Spielende gelangt: Vier Bewegungsrichtungen, springen, Waffe wählen, schießen. Die Schwierigkeit ist hier auch weniger die Komplexität als das eigene Reaktionsvermögen auf Hochtouren zu bringen.

Der Aussage des Artikels, daß die Industrie ältere Leute in punkto Angebot vernachlässigt, weil sie eine Nische darstellen, kann ich nur bedingt zustimmen. Wie sollten denn Spiele für ältere Leute aussehen? Bridge per Netmeeting? Meines Erachtens hat das Alter nur wenig Einfluß auf unsere Spielvorlieben, übrigens genauso wie auf unseren Musikgeschmack. Ich bezweifle, daß ein HeavyMetal-Fan im Alter plötzlich Schlager oder Volksmusik hört, genauso wenig wie ein Ego-Shooter-Fan im Alter anfängt, Solitär zu spielen. Eine ebenso bekannte Nische ist die der weiblichen Computerspieler. Auch hier wird die Industrie dafür gescholten, daß sie keine Spiele für das weibliche Geschlecht produziert. Auch hier würde ich diejenigen gerne fragen, die diese These in den Raum werfen, wie ein Spiel für Frauen aussehen soll. Meines Erachtens sollten wir uns tunlichst von gewissen Klischees verabschieden.

Wofür die Industrie gescholten werden kann, ist die Tatsache, daß sie leider nur sehr wenig Überraschungen oder Meilensteine begünstigen. Lieber wird der nächste 08/15-Shooter mit mehr Power, Grafik, Sound auf den Markt geworfen, weil das momentan ja angesagt ist und wenig Aussicht auf einen Flop hat. Bloß kein Risiko eingehen und vielleicht versuchen, beispielsweise (dies sei jetzt nur ein Brotkrumen) das Genre des interaktiven Filmes nach vorne zu bringen. Gerade die großen Firmen sollten sich darum bemühen, neue Wege zu gehen, da sie die Möglichkeiten dazu haben. Doch meist sind es kleinere Firmen, die echte Überraschungen produzieren. Obwohl ein Flop für diese im allgemeinen sofort den Untergang bedeutet….

Doch vielleicht tun die größeren Spielefirmen ja mehr für den Markt, als ich denke. Wer mehr weiß, darf mich gerne, und nicht nur in diesem Punkt, korrigieren. :-)